Was ist Hochsensibilität?

Der Begriff Hochsensibilität (oder auch: Hochsensivität, im Englischen high sensitivity) wurde von der amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron geprägt, die 1997 ihr erstes umfassendes Werk über dieses Thema, The Highly Sensitive Person, geschrieben hat. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Hochsensibilität (high sensitivity) wurde von ihr eingeleitet und ihre Werke gelten als der Grundstein der HS-Forschung.

Hochsensibilität (Hochsensitivität) ist ein angeborener Wesenszug mit dem Menschen stärker als der Bevölkerungsdurchschnitt auf Reize reagieren und diese viel eingehender wahrnehmen und verarbeiten. Der wissenschaftliche Begriff „Sensory-Processing Sensitivity“ beschreibt sozusagen die „erhöhte Reizaufnahme und die damit verbundene erhöhte Reizverabeitung im Gehirn“.

Hochsensible Menschen haben nicht etwa bessere Sinnesorgane als andere, vielmehr geht es um die Art, wie sie die Reize der Umgebung verarbeiten. Und das beginnt mit dem Sehen, Riechen, Tasten, Schmecken und Hören.

Die erhöhte Empfindlichkeit für Details und Feinheiten beruht auf einem schwächeren Filter in der Wahrnehmung, ausserdem verfügt eine hochsensible Person auch über eine gesteigerte Wahrnehmung von Nuancen. Dieses Wahrnehmen kann sich grundsätzlich auf alle inneren und äusseren Reize beziehen. Somit sind hochsensible Personen auch schneller einer Reizüberflutung ausgesetzt.

Als Elaine Aron ihre Forschungen begann, dachte sie anfänglich an die Charaktereigenschaft „Introversion“, doch je mehr sie dies mit ihrer anwachsenden Eigenschaftsliste sensibler Menschen verglich, desto mehr zeigte sich, dass Sensibilität und Introversion nicht Hand in Hand gehen.

Es gibt auch hochsensible Menschen (etwa 30%), sogenannte High Sensation Seekers, die sich nicht nur als sehr sensibel empfinden, sondern auch als extravertiert. Das führte zu Arons Entdeckung, dass Sensibilität in einem gesunden Charakter eine eigenständige Eigenschaft ist. Aus ihren Studien geht hervor, dass 15-20% der gesamten Bevölkerung über diese Art der Reizaufnahme verfügen und dass dieser Wesenszug vererbt ist.

Hochsensibilität lässt sich laut Elaine Aron anhand der folgenden 4 Merkmale feststellen:

  1. Gründliche Verarbeitung von Information
  2. Rasche Überregbarkeit
  3. Emotionale Intensität
  4. Sensorische Empfindlichkeit

 

In vielen Texten über Hochsensiblität werden Abkürzungen verwendet und auch im deutschsprachigen Raum haben sich die Kürzel HSP (für „hochsensible Person“ oder „hochsensitive Person“), ursprünglich aus dem Englischen für „Highly Sensitive Person“ und HSK (für „hochsensibles Kind„) etabliert.

Fragebogen

Folgende Aussagen können helfen, ein Kind auf seine hochsensible Persönlichkeit einzuschätzen:

Mein Kind …

  1. erschrickt leicht
  2. hat eine empfindliche Haut, verträgt keine kratzenden Stoffe oder keine Nähte in Socken oder Etiketten in T-Shirts
  3. mag keine Überraschungen
  4. profitiert beim Lernen eher durch sanfte Belehrung als harte Strafe
  5. hat einen für sein Alter ungewöhnlich gehobenen Wortschatz
  6. scheint meine Gedanken lesen zu können
  7. ist geruchsempfindlich, sogar bei sehr schwachen Gerüchen
  8. hat einen klugen Sinn für Humor
  9. scheint sehr einfühlsam zu sein
  10. kann nach einem aufregenden Tag schlecht einschlafen
  11. hat Mühe mit grossen Veränderungen
  12. findet nasse oder schmutzige Kleidung unangenehm
  13. stellt viele Fragen
  14. ist ein Perfektionist
  15. bemerkt, wenn andere unglücklich sind
  16. bevorzugt leise Spiele
  17. stellt tiefgründige Fragen, die nachdenklich stimmen
  18. ist sehr schmerzempfindlich
  19. ist lärmempfindlich
  20. registriert Details (Veränderungen in der Einrichtung oder im Erscheinungsbild eines Menschen usw.)
  21. denkt über mögliche Gefahren nach, bevor es ein Risiko eingeht
  22. erzielt die beste Leistung, wenn keine Fremden dabei sind
  23. hat ein intensives Gefühlsleben

Auswertung

Treffen mindestens 13 Aussagen auf das Kind zu, kann davon ausgegangen werden, dass es hochsensibel ist. Quelle: E. Aron, «Das hochsensible Kind»

Wichtiger Hinweis

Der Fragebogen dient als Orientierungshilfe für Eltern und Bezugspersonen und kann nicht mit einer psychologischen Testdiagnostik verglichen werden. Ziel der Einschätzung ist es, ein tieferes Verständnis für das Kind und seine Verhaltensweisen zu bekommen. Viele Situationen können so verstanden und neu beurteilt werden.